Interview mit Fish II – Return To Childhood

Anfang der achtziger Jahre waren Marillion die richtige Band zur völlig falschen Zeit. Während die ehemaligen Supergruppen des Progressive Rock wie Yes oder Genesis längst lupenreine Popsingles veröffentlichten, spielte die britische Band um den schottischen Sänger Derek Dick, besser bekannt als Fish, wie ein trotziger kleiner Dinosaurier immer noch eher verkopfte Mini-Rockopern im Stil ihrer großen Vorbilder aus den Siebzigern. Die Fangemeinde der Gruppe war anfangs eher überschaubar. Das alles änderte sich 1985 schlagartig mit „Kayleigh“.

Der Song über Reue und Verlust wurde der einzige große Hit der Band und sorgte dafür, dass sie über Nacht in ausverkauften Stadien und auf großen Freilichtbühnen auftreten konnten. Gleichzeitig war der plötzliche Ruhm auch der Auslöser für die Trennung von Sänger und Band nur drei Jahre später.

Die dazugehörige Platte „Misplaced Childhood“ hatte die Band in West-Berlin aufgenommen. In den mittlerweile legendären Hansastudios an der Mauer, wo acht Jahre zuvor David Bowie schon „Heroes“ produziert hatte. Auch das dazugehörige Video wurde in Kreuzberg und Charlottenburg gedreht. Zum 30-jährigen Jubiläum der Platte war Fish nun auf der „Return To Childhood“-Tour und spielte im Herbst in der Oldenburger Kulturetage. Das Konzert war schon Monate vorher ausverkauft, wie nahezu alle Abende der Tour.

Fish_Childhoods_End_2015

Erst 2014 hatte ich Fish in Wilhelmshaven getroffen, wo er gerade mit seiner letzten Studioplatte „A Feast Of Consequences“ auf Tour war. Jetzt konnten wir in Oldenburg den Faden wieder aufnehmen.

(Interview with Fish recorded November 25, 2015 in Oldenburg, Germany – Part 1)

2018 will Fish sich von der Bühne verabschieden. Nächstes Jahr soll sein neues Album „Weltschmerz“ erscheinen und auf der Tour dazu will er dann auch noch mal Songs vom letzten gemeinsamen Marillionalbum „Clutching At Straws“ (1987) spielen. Danach folgt dann die endgültige Abschiedstour.

Aber neben „Misplaced Childhood“ stehen bei den Fans momentan auch die Wiederveröffentlichungen seiner Soloplatten aus den Jahren 1988 bis 2003 im Mittelpunkt des Interesses. Viele dieser Platten werden längst nicht mehr aufgelegt und inzwischen hat der Sänger die Rechte an den damaligen Aufnahmen zurückbekommen. Im Oktober erschienen mit „Sunsets On Empire“ (1997) und „Raingods With Zippos“ (1999) die ersten Remasters. Erstere hat er größtenteils mit Sänger und Gitarrist Steven Wilson (Porcupine Tree) komponiert. Auf „Raingods“ Album ist Wilson dann nur noch als Gitarrist mit dabei. Im Dezember erschien dann mit „Fellini Days“ (2001) die dritte Neuauflage. Ein lange kaum beachtetes Werk, dass mit ruhigen Stücken und Experimenten in Richtung Elektronik und Trip-Hop-Sounds auch bei treuen Fans umstritten war.

Fish_Remasters_2015

Fünf weitere Alben sollen in diesem Jahr noch folgen. Alle sind aufwändig remastert und haben neben dem Originalalbum jeweils noch eine zweite CD mit Demos und Outtakes und eine dritte CD mit Liveaufnahmen. Dazu gibt es jeweils ein ausführliches und umfangreiches Booklet in dem Fish detailliert die Entstehungs- und Produktionsgeschichte der jeweiligen Platte schildert. Ein zentraler Song von „Sunsets“ wurde von ihm auch auf der Tour im Herbst wieder ins Programm genommen: „The Perception Of Johnny Punter“. Das Lied widmete der Sänger den Opfern der Anschläge von Paris am 13. November, die nur 12 Tage vor unserem Interview passiert waren.

(Interview with Fish recorded November 25, 2015 in Oldenburg, Germany – Part 2)

Bevor dann die Aufnahmen zum letzte Studioalbum „Weltschmerz“ beginnen, wird es aber noch die allerletzten „Return To Childhood“-Shows geben. Dazu gehört auch noch mal ein Konzert im Groninger Oosterport am 22. April. Weitere Shows in Deutschland werden noch angekündigt.

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Fish_Autogramm_2015

Interview mit Fish

Den schottischen Sänger Fish hatte ich bereits bei seinen Konzerten 2008 und 2009 im Oldenburgischen Staatstheater getroffen. In den Jahren danach hatte er nach einer schwierigen Scheidung und mehreren Operationen wegen gravierender Stimmprobleme nur wenige Konzerte gegeben. Zuletzt war er in kleiner Besetzung mit einer Akustikshow unterwegs.

2013 erschien sein neues Studioalbum „A Feast Of Consequences“. Die Platte ist in weiten Teilen ein Konzeptalbum zum Ausbruch des ersten Weltkriegs vor 100 Jahren. Der fünfteilige Song-Zyklus „High Wood Suite“ befasst sich mit der verlustreichen Schlacht an der Somme in Frankreich 1916.

Das Interview mit Fisch habe ich am 23. Oktober 2014 vor seinem Konzert im Pumpwerk Wilhelmshaven mit ihm geführt.

(Interview with Fish recorded October 24, 2014 in Wilhelmshaven, Germany)

Inspiriert wurde der Sänger durch seine eigene Familiengeschichte, denn beide Großväter haben damals in Frankreich gekämpft. Seine heutige Lebensgefährtin kommt dagegen aus Karlsruhe, einer Stadt im ehemaligen Feindesland.

Produziert wurde „A Feast Of Consequences“ erneut von Calum Malcolm (The Blue Nile / Prefab Sprout). Mit Sängerin Elisabeth Troy Antwi und Gitarrist Robin Boult waren ebenfalls wieder alte Bekannte mit im Studio.

Beim Konzert am Abend wurde die Platte dann auch fast komplett gespielt, wobei die fünf High Wood-Stücke den Schwerpunkt der Show bildeten.

In dem Gespräch ging es auch um die Zukunftspläne des ehemaligen Marillion-Sängers. Im Sommer diesen Jahres will er zum 30-jährigen Jubiläum die komplette „Misplaced Childhood“ bei einigen Open-Airs spielen. Außerdem werden seine Soloplatten mit zusätzlichem Material wiederveröffentlicht. Danach sollen dann die Aufnahmen zur neuen Studioplatte mit dem schönen Titel „Weltschmerz“ beginnen.

2016/2017 folgt dann eine große Abschiedstournee, nach deren Ende er sich in Karlruhe niederlassen möchte, um sich vermehrt dem Schreiben zu widmen. Geplant sind Drehbücher für Filmprojekte, aber auch mögliche Auftritte mit Lesungen oder Spoken-Word-Shows sind angedacht.

Windswept Thumb

Windswept Tumb – Heart Of Lothian in Wilhelmshaven 2014.

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