The Ugly Stepsister – Berlinale Panorama

(Foto: © Marcel Zyskind)

„The Ugly Stepsister” (“Den stygge stesøsteren“) ist eine Neuerzählung des Märchens „Aschenputtel“ der Gebrüder Grimm im Stil eines blutigen Body Horror-Films mit grotesken Splattereffekten und sehr viel schwarzem Humor.

(Radobeitrag zu The Ugly Stepsister)

Die Idee für ihren allerersten Spielfilm kam der norwegischen Regisseurin Emilie Blichfeldt im Traum. Er drehte sich um eine junge Frau, die einen schönen Prinzen treffen will, aber dann zu ihrem Entsetzen Blut im Schuh findet und erkennen muss, dass sie nicht die schöne Cinderella, sondern vielmehr eine der bösen oder hässlichen Stiefschwestern ist. Der viel zu kleine, und nicht passen wollende Schuh aus dem Märchen, steht hier für die gesellschaftlichen Schönheitsideale, die für viele Menschen unerreichbar sind, für die sie aber trotzdem bereit sind Operationen oder körperliche Qualen hinzunehmen.

(Regisseurin Emilie Blichfeldt bei der Präsentation des Films auf der Berlinale)

Der Begriff ‚Body Horror‘ wurde für die Filme des kanadischen Regisseurs David Cronenberg geprägt, dessen oft schonungslosen Darstellungen geschundener, gequälter, mutierter und gerbrochener Körper in Filmen wie „Scanners“, „Die Brut“ oder „Crash“ in den letzten Jahren vor allem von Regisseurinnen wie Julia Ducournau mit ihrem Cannes-Gewinnerfilm „Titane“ oder aktuell Coralie Fargeat mit „The Substance“ als Vorbilder entdeckt wurden. Und die das ganze Genre mit einem modernen weiblichen und feministischen Blick auf den Körper und seine Bedeutung für unsere Gesellschaft umgedeutet haben.

Emilie Blichfeldt war kein großer Fan von Horrorfilmen, als sie ausgerechnet zu Weihnachten David Cronenbergs „Crash“ in der Mediathek des norwegischen Fernsehens entdeckte, erlag aber schon bald dessen ungewöhnlicher Filmsprache und seiner oft blutigen Interpretation des Zusammenspiels von Körper und Geist.

Eine weitere, eher ungewöhnliche Inspiration kam durch einen Film, der auch in Deutschland zu den großen Weihnachtsklassikern zählt. „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ von Václav Vorlíček aus dem Jahr 1973. Die tschechisch-ostdeutsche Koproduktion, die sich auch in Norwegen großer Beliebtheit erfreut, ist für die Regisseurin die ultimative und schönste Aschenputtel-Verfilmung.

(Regisseurin und Hauptdarstellerinnen bei der europäischen Premiere in der Berliner Urania)

Die europäische Premiere von „The Ugly Stepsister“ im Panorama der Berlinale war ein großer Erfolg. Das junge, diverse und oft auch queere Publikum feierte den Film mit viel Szenenapplaus. Im Sommer kommt dieser grenzüberschreitende Horrorspaß dann auch auch in die deutschen Kinos.

(Dieser Beitrag erschien zuerst als Radiobeitrag in der Sendung „Filmriss – Das Berlinale-Magazin“, einem gemeinsamem Projekt der norddeutschen Bürgersender Kiel FM, Lübeck FM, Westküste FM, Tide Hamburg, Radio Leinewelle und Oldenburg Eins.)