Nightborn – Yön Lapsi – Wettbewerb
(Foto: © Pietari Peltola)
Das britisch-finnische Ehepaar Saga und Jon zieht in die Abgelegenheit der finnischen Wälder, um dort eine Familie zu Gründen. Sie renovieren Sagas Elternhaus, bekommen einen kleinen Sohn. Aber irgendetwas stimmt nicht – nicht mit dem Haus, nicht mit dem Wald – und schon gar nicht mit dem Kind.
Der zweite Film der Finnin Hanna Bergholm, „Nightborn“ („Yön Lapsi“), zeigt Mutterschaft als Alptraum zwischen Blut, Erschöpfung sowie emotionaler Instabilität; ergänzt um sehr finnische Geschichten über Waldgeister, Dämonen und bösartige Trolle.
Lupenreine Horrorfilme sind im prestigeträchtigen Wettbewerb der Berlinale eher die große Ausnahme. Aber die durch ihren visuell beeindruckenden und ungewöhnlichen Familien-Body-Horror „Hatching“ bekannt gewordene Regisseurin Bergholm bringt genug künstlerische Originalität mit nach Berlin. Zudem hat sie mit Harry-Potter-Star Rupert Grint und der finnischen Schauspieler Seidi Haarla – bekannt aus dem Arthouse-Hit „Abteil Nr. 6“ – zwei großartige Stars in den beiden Hauptrollen.
Ihr Film steht in der Tradition der klassischen Familie-als-Bedrohung-Szenarios, in manchen Momenten an artverwandte Horrorklassiker wie Roman Polanskis „Rosemarys Baby“ oder William Friedkins „Der Exorzist“ erinnernd. Spannung und Unbehaglichkeit wechseln sich mit blutigen Effekten ab, die zum Teil ins grotesk-komödiantische überlappen, somit etwas Erleichterung in die erzeugte Anspannung im Filmverlauf bringend.
Mit passenden Effekten setzt die Regisseurin die Mythen um die finnischen Naturgeister in Szene, worin Bäume und Wurzeln mehr und mehr Besitz vom Haus und den darin lebenden Personen ergreifen. Zentral für den Erfolg des Films bleibt aber vor allem das Zusammenspiel von Grint und Haarla, die in beeindruckender Weise von Liebe und Hoffnung zu Irritation und Misstrauen wechseln, und so in dem ganzen Spukgeschehen ein geradezu irdisches und geerdetes Beziehungsdrama bieten, das als realistisches Gegenstück zu den überbordend fantasievollen, sowie leicht morbiden Gruselwelten Hanna Bergholms fungiert. Sehenswert für Fans des fantastischen Films, zudem eine ehrenvolle Genreausnahme im ansonsten auf politische Dramen spezialisierten Wettbewerb der Berlinale.
(Dieses Interview erschien zuerst als Radiobeitrag in der Sendung „Filmriss – Das Berlinale-Magazin“, einem gemeinsamen Projekt der norddeutschen Bürgersender Kiel FM, Lübeck FM, Westküste FM, Tide Hamburg, Radio Leinewelle und Oldenburg Eins.)