The Ballad Of Judas Priest – Berlinale Special Midnight

(Foto: © Paul Natkin via Cache Agency)

Die britische Rockband Judas Priest gehört zu einer der stilprägendsten und kommerziell erfolgreichsten Gruppen der Musikgeschichte. Allenfalls Bands wie Black Sabbath, Led Zeppelin, Deep Purple oder Iron Maiden können einen ähnlich großen Einfluss auf die Entwicklung des Heavy Metal für sich geltend machen, wie die fünf Musiker aus der britischen Arbeiterstadt Birmingham. Die Stadt, aus der auch Black Sabbath hervor gingen, prägte mit ihrer Stahlindustrie und dem damit einhergehenden Bild von Feuer, Rauch und Dampfhammerschlägen das Bild sowie den Sound ihrer Musik.

1973 gegründet, waren Judas Priest zunächst noch eine etwas härtere Blues- und Rockband, bevor sie ihren Stil mit Hilfe der aufkommenden Punkbewegung hin zu einem schnelleren und härteren Sound veränderten, und somit Vorreiter der NWOBHM (New Wave of British Heavy Metal) wie auch zu internationalen Megastars mit bis heute über 50 Millionen verkauften Platten wurden. Der Film lässt zu dieser Entwicklung vor allem die Gründungsmitglieder Sänger Rob Halford, Gitarrist Glenn Tipton und Bassist Ian Hill zu Wort kommen, während der 2011 ausgestiegene zweite Gitarrist K.K. Downing mittels Archivaufnahmen dabei ist.

Neben der musikalischen Entwicklung, und Dank des Musikvideosenders MTV auch kolossalen Erfolgs in den USA in den achtziger Jahren, beleuchtet die Dokumentation vor allem die großen Zerreißproben in der Bandgeschichte: Allen voran die lange vor den Fans und der Öffentlichkeit versteckte Homosexualität von Sänger Rob Halford, die diesen immer wieder in eine Abwärtsspirale von Alkohol und Drogen brachte und die erst mit einem späten Coming Out ein für Sänger und Band glückliches Ende nahm. Der zweite große Einschnitt war ein aufsehenerregender Gerichtsprozess Mitte der achtziger Jahre in den USA, bei der erzkonservative Gruppen versucht haben, der Band die Schuld an dem Doppelselbstmord von zwei jungen Fans zu geben, und ihnen unterstellte, geheime Botschaften in ihren Songs zu verstecken, die Menschen ins Verderben führen würden. Dahinter steckten auch damals schon Kulturkämpfe um Meinungsfreiheit und künstlerische Freiheit, die von Zensur und stattlicher Willkür bedroht waren, eine Entwicklung, die aktuell in den USA auf frappierende Weise wieder an Fahrt aufgenommen hat, aber nicht nur dort. 

(Pressekonferenz zu „The Ballad of Judas Priest“, Berlin 15.02.2026)

Auf der Pressekonferenz in Berlin kam dann folgerichtig die Frage auf, ob Rob Halford sich als politischer Künstler sehe, die er mit einigen Beispielen seiner Lyrics beantwortete. Er erklärte zudem, dass Texte zu schreiben „manchmal ein Drahtseilakt zwischen Politik und Unterhaltung sein könne“.

Wie Judas Priest im Lauf der Zeit alle Hindernisse hinter sich gelassen haben, und wie sie bis heute mit ihren Auftritten die Fans begeistern, davon erzählt der Film des kanadischen Regisseurs Sam Dunn, der mit ähnlichen Dokumentationen über Iron Maiden, ZZ Top, Rush oder Alice Cooper schon seit über zwanzig Jahren erfolgreich ist. In seiner Freizeit ist er übrigens selbst als Bassist in einer Metalband tätig.

Produktion und Ko-Regie hat der Gitarrist Tom Morello übernommen, der mit seinen Bands Rage Against The Machine und Audioslave selbst bereits enorme Erfolge feierte, und der als schwarzer Musiker auch Wert darauf legt, zu unterstreichen, welchen Einfluss Bands wie Judas Priest auf schwarze Metalfans hatten, die sonst in einer vornehmlich weißen Musiker:innen- und Fankultur oft nur wenig sichtbar sind. Morello war es nach eigenen Worten besonders wichtig mit dem Film „den alten Fans der Band gerecht zu werden, aber zugleich auch ein neues Publikum zu erreichen“.

Der Film „The Ballad Of Judas Priest“ preist die Gruppe als wegweisende und inklusive Band der Metalkultur, die sich klar gegen Homophobie und Rassismus positioniert, und deshalb zu Recht als besonders integere Gruppe nicht nur innerhalb der Heavy Metal-Community, sondern weit darüber hinaus ein hohes Ansehen genießt.

(Dieser Beitrag erschien zuerst als Radiobeitrag in der Sendung „Filmriss – Das Berlinale-Magazin“, einem gemeinsamen Projekt der norddeutschen Bürgersender Kiel FM, Lübeck FM, Westküste FM, Tide Hamburg, Radio Leinewelle und Oldenburg Eins.)