Playlist soundundvison_28 – 01.08.2016

Band of Horses – Barrel House
Band Of Horses – Hag
Mick Harvey – A Violent Poison That’s What Love Is [Un Poison Violent C’est Ça L’amour]
Mick Harvey – A Day Like Any Other [Un Jour Comme un Autre] feat. Xanthe Waite
Death And Vanilla – The Unseeing Eye
Death And Vanilla – Ghosts in the Machine
Amber Arcades – Right Now
Amber Arcades – Turning Light
Mitski – I Bet On Losing Dogs
Mitski – Your Best American Girl
Deerhoof – Little Hollywood
Deerhoof – Life Is Suffering
Blaney Featuring Mark E. Smith – The Coat
Blaney Featuring Mark E. Smith – Time for You to Go
Jambinai 잠비나이 – Echo of Creation
Jambinai – For Everything That You Lost
Camera – Affenfaust
Camera – Ildefons
John Paul Jones Official & Erland Dahlen – Piece No. 5
Tunng & Tinariwen – People Folk
Snooze-On – In My Dreams At Night
Snooze-On – White Satin Leaves
Holger Czukay – Persian Love
Holger Czukay – Cool in the Pool
Billion One – Monument Valley feat. Sopha
Billion One – Her (rebuild by KiRRiN iSLAND)
M. Craft – Afterglow
M. Craft – Where Go the Dreams
Konx-om-Pax – Cosmic Trigger
Konx-Om-Pax – Mega Glacial

Playlist soundundvison_27 – 04.07.2016

Gemma Ray – The Machine
Gemma Ray – We Are All Wandering
Black Palms Orchestra – Wolf Town
Black Palms Orchestra – Last Summer For Ever
CAT’S EYES – Drag
Cat’s Eyes – Names on the Mountains
Laura Veirs / Neko Case / k.d. lang – Atomic Number
Laura Veirs / Neko Case / k.d. lang – Supermoon
Beth Orton – Wave
Beth Orton – Moon
Pino Donaggio – Theme From „Blow Out“
Red Sleeping Beauty – If You Want Affection
Red Sleeping Beauty – Mi Amor
Let’s Eat Grandma – Deep Six Textbook
Let’s Eat Grandma – Rapunzel
Róisín Murphy – Thoughts Wasted
Roisin Murphy – Mastermind
BADBADNOTGOOD – Time Moves Slow (feat. Samuel T. Herring)
BadBadNotGood – Hyssop of Love (feat. Mick Jenkins)
The Invisible – Different feat. Rosie Lowe
the Invisible – Best Of Me
Mark Pritchard – Give It Your Choir (feat. Bibio)
Mark Pritchard – Beautiful People (feat. Thom Yorke)
Natalie Tba Beridze – Black Spring
Natalie Beridze – Hello
Asher Levitas – Blessed Mother
Asher Levitas – Strongest Bonds
Swans – People Like Us
Swans – The World Looks Red / The World Looks Black
Melanie De Biasio – Blackened Cities

Nachruf: Michael Cimino und Robin Hardy

2016 bleibt sich traurigerweise weiter treu. Mit Michael Cimino und Robin Hardy sind jetzt zwei große und eigenwillige Außenseiterregisseure des amerikanischen bzw. britischen Kinos gestorben. Hardy hat mit „The Wicker Man“ (1973) den vielleicht britischsten aller Horrorfilme der siebziger Jahre vorgelegt. Die Geschichte um heidnische Rituale auf der (erfundenen) schottischen Insel Summerisle mit Christopher Lee und Britt Ekland ist zwar nur einer von vier Filmen, die Hardy überhaupt drehte, aber seine Bilder sind heute fester Bestandteil unserer Popkultur. Das letzte RadioheadvideoBurn The Witch“ ist beispielsweise in weiten Teilen durch seinen Film inspiriert worden.

Michael Cimino begann als Drehbuchschreiber („Dirty Harry II – Calahan“, „Lautlos im Weltall“) bevor er 1974 mit „Die Letzten beißen die Hunde“ seinen ersten Film drehte (mit Clint Eastwood und Jeff Bridges). Es folgten mit „Die durch die Hölle gehen“ und „Heaven’s Gate“ zwei monumentale, aber nicht unumstrittene Meisterwerke, wovon ersteres mit fünf Oscars ausgezeichnet wurde, während das „Tor zum Himmel“ als kommerzieller totalen Megaflop für die Studiopleite von United Artists sorgte und somit beide Filme auch hinter den Kulissen Stoff für Legenden lieferten. „The Deer Hunter“ habe ich zuletzt 2001 zum 50. Berlinalejubiläum auf der riesigen Leinwand des Berlinalepalasts bewundern dürfen. 2005 zeigte das Berlinale Forum dann eine vierstündige, restaurierte Fassung von „Heaven’s Gate“ plus die 90minütige Dokumentation „Final Cut“ des ehemaligen United Artists-Vizepräsidenten Michael Bach. Mit der dazugehörigen Podiumsdiskussion im Kinosaal dauerte diese Marathonveranstaltung über sechs Stunden. Streitbares und außergewöhnliche Erzählkino, das in dieser Form im heutigen Zeitalter der ewig gleichen und in Serie produzierten Blockbuster und Comicverfilmungen leider kaum noch möglich ist. Schaut euch „The Deer Hunter“ und „The Wicker Man“ an und staunt.

Interview mit Robin Proper-Sheppard (Sophia)

As We Make Our Way (Unknown Harbours)“ ist das sechste Studioalbum der Band Sophia, die vor zwanzig Jahren vom amerikanischen Gitarristen und Sänger Robin Proper-Sheppard gegründet worden ist. Sophia ist das Nachfolgeprojekt seiner ersten Band The God Machine, die Mitte der 90er Jahre nach dem Krebstod des Bassisten Jimmy Fernandez auseinandergebrochen war.

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Verlust, Trauer und Abschied sind oft die zentralen Themen der Songs von Proper-Sheppard, der mit Sophia 2004 auch schon beim Oldenburger Kultursommer zu Gast war. Musikalisch wechselt die Band zwischen düsteren Balladen, wütenden Rocksongs und elegischem Indiepop, oft ergänzt durch klassische Instrumente wie Cello und Streicher.

Die letzten sechs Jahre hatte sich der Proper-Sheppard weitgehend zurückgezogen und nur eine handvoll Auftritte absolviert. Die Ankündigung einer neuen Platte und einer neuen Tour kam nur wenige Wochen vor der Veröffentlichung der Platte und war eine echte Überraschung für die Fans.

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Kurz vor dem ausverkauften Konzert im Hamburger „Nochtspeicher“ am 25. April hatte ich die Gelegenheit mich mit Robin Proper-Sheppard über das neue Album zu unterhalten.

(Interview with Robin Proper-Sheppard recorded April 25, 2016 in Hamburg)

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Die im Interview genannten Mogwai und Malcolm Middleton haben mittlerweile ja ihre neuen Platten veröffentlicht. „Atomic“ von Mogwai (auf der Proper-Sheppard bei einem Stück Gitarre spielt) erschien Anfang April und „SummerOf 13“ von Malcolm Middleton (Ex-Arab Strap) Ende Mai.

Dem melancholisch-wütendem Sound bleibt der zeitweise in Brüssel lebende Robin Proper-Sheppard auch auf seinem sechsten Sophia-Album treu. Die von ihm im Alleingang nur mit Unterstützung von Drummer Jeff Townsin produzierten neuen Songs wirken dabei insgesamt etwas kompakter und mehr aus einem Guss als frühere Alben. Im Kern gibt es aber auf „As We Make Our Way (Unknown Harbours)“ erneut die für Sophia typische Mischung aus Orchesterpop, Akustiksongs und düster-schwelgerischem Indierock.

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In Brüssel hat Proper-Sheppard in den letzten Jahren immer wieder mit Nachwuchsmusikern zusammenarbeitet. So produzierte er unter anderem das Debütalbum der belgischen Band Horses „Clear Crystal Air“. Deren Gitarrist und Sänger Bert Vliegen und Keyboarder und Gitarrist Jesse Maes bilden den Kern der aktuellen Livebesetzung von Sophia. Dazu kommen noch der ebenfalls aus Belgien stammende Bassist Sander Verstraete, sowie Schlagzeuger Jeff Townsin, der seit fast zwanzig Jahren das einzige feste Bandmitglied neben Proper-Sheppard ist.

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Die im Interview als „Sophia 2.0“ bezeichnete Besetzung spielte in Hamburg zunächst das neue Album komplett und in chronologischer Reihenfolge, um dann im zweiten Teil ausgesuchte Sophia-Songs aus 20 Jahren Bandgeschichte zu präsentieren (siehe die Setlist weiter unten). Im August spielen Sophia beim belgischen Pukkelpop Festival. Im Herbst sollen dann weitere Konzerte folgen.

Homepage von Sophia

Facebookseite der Band

Setlist – Hamburg, Nochtspeicher, 25.04.2016

Resisting
The Drifter
Don’t Ask
Blame
California
St. Tropez / The Hustle
You Said It’s Alright
Baby Hold On
It’s Easy To Be Lonely
Bad Man
So Slow
If Only
Oh My Love
The Desert Song
Darkness
The River Song
——
Birds
I Left You

 

 

 

 

 

Playlist soundundvision_26 – 06.06.2016

Spain – The Depression
Spain – For You
Marissa Nadler – Katie I Know
Marissa Nadler – Strangers
Minor Victories – A Hundred Ropes
Minor Victories – The Thief
Mayflower Madame – Weightless
Mayflower Madame – Observed In A Dream
FEWS – Drinking Games
Fews – Zlatan
Seratones – Headtrip
Seratones – Choking on Your Spit
Brad Fiedel – The Terminator Theme [Extended Version]
Alex Puddu – Mood Psychedelico
Shit Robot – Ten Miles High
Shit Robot – OB-8 (Winter Mix)
Holy Fuck – Chimes Broken
Holy Fuck – Acidic
Curse Ov Dialect – Return Of Them All
Curse Ov Dialect – Mystery Door
Klaus Johann Grobe – Liebe am Strand
Klaus Johann Grobe – Ein Guter Tag
Peter Baumann – Searching In Vain
Peter Baumann – Ordinary Wonder
Cristian Vogel – Machine (2015 Remaster)
Cristian Vogel – Information Power Revolution (2015 Remaster)
The Still – The Descent
The Still – The Ecstatic
2/5bz – Anadolog
„Delikopek (ASAF ZEKİ Yuksel)“ – Democracy Lessons

Playlist soundundvison_25 – 30.05.2016

Eagulls – Skipping
Eagulls – My Life In Rewind
The Joy Formidable– Blowing Fire
The Joy Formidable – It’s Started
Hugo Race Fatalists – No God In The Sky
Hugo Race Fatalists – 24 Hours To Nowhere
The Limiñanas – Prisunic
The Limiñanas – Zippo
Sophia – The Drifter
Sophia – It’s Easy To Be Lonely
Matuto – Gloomy Sunday
Billie Holiday – Gloomy Sunday
Vivian Goldman – Launderette
Vivien Goldman – Private Armies
Manuel Volpe & Rhabdomantic Orchestra – Atlante
Manuel Volpe & Rhabdomantic Orchestra – Rhabdomancy
Vessels – 4AM (FaltyDL Remix) (Bonus Track)
Vessels – Elliptic (Throwing Snow Remix) (Bonus Track)
Der Dritte Raum– Electric Friends
Der Dritte Raum – Graf Zahl
Tiga – Planet E
Tiga – No Fantasy Required
Arnaud Rebotini & Christian Zanesi – Approche / Accumulation
Arnaud Rebotini & Christian Zanési – Heaven Hill
Stefan Rusconi & Tobias Preisig – Gilliane
Stefan Rusconi & Tobias Preisig – Marie
Erlend Apneseth Trio – Under Isen
Erlend Apneseth Trio – Magma

Interview mit Volker Schlöndorff

Rund 40 Jahre war die Fernsehverfilmung „Baal“ von Volker Schlöndorff unter Verschluss. Erst bei der Berlinale 2014 wurde der Film nach Beilegung eines Rechtsstreits wieder gezeigt. Nach einer ersten Veröffentlichung als DVD vor zwei Jahren ist der Film jetzt erstmals auf Blu-ray erschienen. Aus diesem Grund gibt es hier mein Interview mit Volker Schlöndorff vom März 2014 in voller Länge. Ich hatte ihn auf seiner Kinotour zu „Baal“ in Oldenburg getroffen.

(Interview mit Volker Schlöndorff am 27. März 2014 im Casablanca Kino Oldenburg)

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Die frühen Filme von Volker Schlöndorff sind alle von einer schwierigen Veröffentlichungsgeschichte geplagt. „Mord und Totschlag“ mit Anita Pallenberg (1967) gibt es gar nicht auf DVD oder Blu-ray. „Michael Kohlhaas – Der Rebell“ mit David Warner (1969) ist erst 2015, also ein Jahr nach dem Interview,  als DVD bei Winkler Film in Österreich herausgekommen.

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(Volker Schlöndorff / Weltkino Filmverleih)

Schlöndorff zeigt den Baal als eine Art Rockstar mit schwarzer Lederjacke und Kippe im Mundwinkel. Seine Figur führt ein rücksichtsloses und hedonistisches Dasein zwischen Kneipen, Künstlerateliers, Autobahnraststätten und Stripclubs. Für das Fernsehpublikums der frühen siebziger Jahre war das zu viel und auch Brecht-Verehrer nahmen es Schlöndorff übel die Figur wahlweise als „Gammler“, Hippie oder Tagedieb inszeniert zu haben.

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Die schwerwiegendste Ablehnung kam jedoch nicht von den westdeutschen Zuschauerinnen und Zuschauern, sondern aus Ost-Berlin von Brechts Witwe Helene Weigel. Sie soll bei der TV-Ausstrahlung den Raum bereits nach 20 Minuten verlassen haben und hat danach die Lizenz für weitere Aufführungen verweigert. Erst die Erben von Bertolt Brecht und Rainer Werner Fassbinder haben sich dann 50 Jahre später wieder zusammengesetzt und entschieden, dass der Film vor allem deshalb wieder freigegeben wird, weil er die erste und einzige Hauptrolle des Regisseurs Rainer Werner Fassbinder als Schauspieler für einen andern Regisseur ist.

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(Volker Schlöndorff / Weltkino Filmverleih)

Fassbinder selbst singt auch die im Film verwendeten Lieder des Theaterstücks. Die Musik dazu stammt vom Münchener Jazzmusiker und Filmmusikkomponist Klaus Doldinger. Gedreht wurde auf 16 mm größtenteils mit Handkamera, die der langjährige Fassbinder-Kameramann Dietrich Lohmann führte. Die Besetzung liest sich wie ein Who Is Who des deutschen Films der frühen Siebziger: Margarethe von Trotta, Hanna Schygulla, Irm Hermann, Walter Sedlmayer, Günther Kaufmann und Hark Bohm.

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Volker Schlöndorff gehörte in den 1960er und 1970er zu den international bekanntesten Regisseuren des so genannten „Neuen Deutschen Films“. Gemeinsam mit Rainer Werner Fassbinder, Wim Wenders, Werner Herzog und anderen jungen Filmemachern drehten sie ihre Werke fernab vom damals üblichen Heimatfilm und Unterhaltungskino und fanden so auch in Frankreich, England und den USA Zuspruch und Begeisterung.

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(Volker Schlöndorff / Weltkino Filmverleih)

Das Theaterstück „Baal“ (1918) ist eines der frühesten Werke des Dramatikers Bertolt Brecht. 1982 verfilmte Alan Clarke das Stück für die britische BBC mit David Bowie in der Titelrolle. 2004 gab es eine weitere deutsche TV-Fassung von Uwe Janson für das ZDF, in der Matthias Schweighöfer den Baal als selbstzerstörerischen Indierocker spielt.

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Am 27. März 2014 war Volker Schlöndorff gemeinsam mit seinem langjährigem Produzenten Eberhard Junkersdorff in Oldenburg zu Gast  (rechts im Bild: Dr. Detlef Roßmann vom Casablanca Kino Oldenburg).

Teile des Interviews sind 2014 in einen Fernsehbeitrag eingeflossen und nur die Audiofassung des Gesprächs hatte ich noch komplett vorliegen. Kamera und Ton beim Interview hat damals Martin Fitzke für Oldenburg Eins gemacht. Vielen Dank.

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(Weltkino Filmverleih)

Die restaurierte Fassung von Baal ist am 29.04. von Weltkino erstmals auf Blu-ray veröffentlicht worden. Eine neue DVD ist ebenfalls erschienen.

Baal – Der Film von Volker Schlöndorff bei Facebook

Playlist soundundvison_24 – 02.05.2016

Garmarna – Över Gränser
Garmarna – Ett dolt begär
Motorpsycho – Spin, Spin, Spin
Motorpsycho – I.M.S.
Black Mountain – Defector
Black Mountain – You Can Dream
LUH. – Lost Under Heaven
LUH – ORO
Jean-Michel Jarre & Pet Shop Boys – Brick England
Jean-Michel Jarre & The Orb – Switch on Leon
John Carpenter – The Master of Horror – White Pulse
John Carpenter – Virtual Survivor
DOOMSQUAD – Eat the Love
Doomsquad – Solar Ass
Johannes Motschmann – Headland
Johannes Motschmann – Electric Fields
Volkan Akaalp – Nite Theme
Volkan Akaalp – Dawn Of Gehenna
Foetus (Band) – What Use (Tuxedomoon )
The Man from Managra feat. Blaine L. Reininger – Fifth Column
The Drones – Boredom
The Drones – To Think That I Once Loved You
Matt Elliott/The Third Eye Foundation– The Feast Of St Steven
Matt Elliott – Wings And Crown
ASS (Jochen Arbeit, Gunter Schickert, Schneider TM) – 38°
ASS (Jochen Arbeit, Gunter Schickert, Schneider TM) – Salicyl
The Dwarfs of East Agouza أقزام شرق العجوزة – Baka of the Future

Erik Kriek – In The Pines – 5 Murder Ballads

Zum Begriff „Murder Ballads“ dürfte vielen Musikfans zunächst einmal das gleichnamige Album von Nick Cave & The Bad Seeds aus dem Jahr 1996 einfallen. Die Tradition der britischen Mordballaden oder Moritaten, wie sie in Deutschland genannt wurden, reicht aber mindestens bis in 17. Jahrhundert zurück. Aus Europa kam die Idee wahre Verbrechen in Lieder zu verpacken dann nach Amerika und wurde dort über Songs aus Bluegrass, Country, Blues und Folk weiterverbreitet. Diese klassischen, düsteren Geschichten um Mord und Sühne waren auch die Inspiration für den neuen Comic des holländischen Autors und Zeichners Erik Kriek.

(Erik Kriek bei der Leipziger Buchmesse am 19.03. 2016)

Kriek ist nicht nur Autor und Zeichner, sondern auch Designer und hat viele Ausstellungsposter, Plattencover, Buchillustrationen und Filmplakate gezeichnet. 1966 in Amsterdam geboren, studierte er Design und Illustration an der Rietveld Academy for Art and Design und wurde in der Comicszene bekannt mit dem Silent Comic Gutsman, einer Superheldenserie ohne Sprechblasen und Texte.

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(Erik Kriek / avant-verlag)

In Deutschland erschien 2013 eine Adaption von Geschichten von H.P. Lovecraft unter dem Titel „Vom Jenseits“. Für die Mordballaden hat sich der Musikfan Kriek mit der holländischen Country- und Bluegrassband The Bluegrass Boogiemann zusammengetan.

(Erik Kriek bei der Leipziger Buchmesse am 19.03. 2016)

Mordballaden gibt es in den verschiedensten Varianten und sie wurden von so unterschiedlichen Künstler_innen und Bands wie Johnny Cash, Steve Earle, Bob Dylan, Joan Baez, den Byrds oder Tom Waits gesungen. Selbst bei Mike Oldfield („Moonlight Shadow“) oder Eminem („Stan“) finden sich Moritaten im Programm. Die berühmteste deutsche Moritat, „Mackie Messer“ aus Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“, interpretierte beispielsweise in den USA Louis Armstrong als „Mack The Knife“

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(Erik Kriek / avant-verlag)

Dem Band „In The Pines“ liegt eine CD mit sechs Murder Ballads bei. Sowohl der Titelsong, als auch die Lieder der fünf Stories im Buch sind darauf zu hören. Neben Songklassikern und Traditionals wie „Long Black Veil“ und „Pretty Polly“ stehen moderne Liedern wie „Where The Wild Roses Grow“ von Nick Cave & Kylie Minogue und „Taneytown“ von Steve Earle.

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Selbstportät (Erik Kriek / avant-verlag)

Gezeichnet sind die „Murder Ballads“  in schwarz-weiß, mit individueller Einfärbung für jeden einzelnen Song. Ein Verfahren ähnlich der Viragierung im Stummfilm, das im Comic als Duoton oder Schmuckfarbe bezeichnete wir (hab ich mir jedenfalls sagen lassen). Einige Sequenzen kommen mit wenig oder ganz ohne Text aus und leben allein von den ausdrucksstarken Bildern und ihrer Anordnung. Seine Herkunft als Designer wird hier von Kriek für die Geschichten vorteilhaft umgesetzt.

Dazu kommt dann noch ein Essay des niederländischen Musikjournalisten und Radiomachers Jan Donkers, der die Geschichten hinter den Songs erläutertet und musikhistorisch einsortiert.

Der Band „In The Pines“ von Erik Kriek mit einer CD der Bluegrass Boogiemen ist am 07. März im Berliner avant-verlag erschienen. Vielen Dank an Filip Kolek vom avant-Verlag, der die Antworten von Erik Kriek für diesen Beitrag bei der Leipziger Buchmesse aufgezeichnet hat.

Homepage avant-verlag
Homepage Erik Kriek
Homepage The Bluegrass Boogieman

 

 

 

Playlist soundundvision_23 – 04.04.2016

Karl Bartos – I’m The Message
Karl Bartos – The Camera
The KVB – Awake
The KVB – Silent Wave
Vita Bergen – In The City
Vita Bergen – Closer Away
Primal Scream – (Feeling Like A) Demon Again
Primal Scream – Golden Rope
Blue Grass Boogiemen with Erik Kriek – Where the Wild Roses Grow
The Blue Grass Boogiemen with Erik Kriek – Taneytown
Bob Mould – The End Of Things
Bob Mould – Monument
Explosions in the Sky – Tangle Formations
Explosions in the Sky – Logic Of A Dream
Mogwai – Scram
Mogwai – U – 235
Moderat – Intruder
Moderat – Running
Underworld – If Rah
Underworld – Low Burn
Ital Tek – Beyond Sight
Ital Tek – Redeemer
Fatima Al Qadiri – Blood Moon
Fatima Al Qadiri – Blows
Cluster – Avanti
Cluster – Rosa
Tortusa – Selective Hindsight
Tortusa – There’s So Much Static
Koola Lobitos – Orise
Fela Kuti – It’s Highlife Time