7 Tipps fürs Reeperbahnfestival

In diesem Jahr bin ich zum zweiten Mal beim Reeperbahnfestival mit dabei, das am Mittwoch startet. Vier Tage lang dreht sich in den Hamburger Clubs dann alles um Indiepop von Rock und Folk über elektronische Sounds bis hin zu Avantgarde und moderner Klassik. Vielleicht das abwechslungsreichste Musikfestival, das es in Deutschland gibt. Parallel dazu ist die Reeperbahn auch wieder alljährlicher Branchentreffpunkt von Journalisten, Plattenfirmen, Tourneeveranstaltern und Musikpromotern aus dem Independentbereich. Die nachfolgenden Konzerten stehen ganz oben auf meiner persönlichen Liste fürs diesjährige Festival.

1. Acid Arab

Das französische Kollektiv Acid Arab verbindet elektronische Sounds aus Techno und Trip-Hop mit traditioneller Musik aus Nordafrika. Die neue Platte nennen sie einfach und folgerichtig auch nur „Musik aus Frankreich“. Die Mischung aus europäischem Pop und moderner Musik aus Algerien oder Marokko ist in Paris seit rund 30 Jahren ein fester Bestandteil der Club- und Popkultur. Das mit vielen Gastmusikern produzierte neue Album ist eine Offenbarung in Sachen radikaler und zeitgemäßer Popmusik. „Musique de France“ vom Acid Arab erscheint am 17. Oktober auf Crammed Disc.

Donnerstag, 22.09. 20:00h MolotowSkyBar

2. Gold Panda

Der britische Produzent Gold Panda hat mit seinem dritten Album „Good Luck And Do Your Best“ seine vielleicht schönste und vor allem zugänglichste Platte vorgelegt. Breakbeat und Dubstep in seiner leichtesten und fast schon ambienten Variante. Melodiös, tanzbar und immer mit leichtem Hang zum Ohrwurm verbindet er Housebeats und flächige Synthis mit Elementen japanischer Musik. Der Plattentitel ist eine Redensart, die er von einem Japan-Trip mitgebracht hat, genau so wie viele der Samples und Sounds, die darauf zu hören sind. Erschienen ist das Album am 27. Mai bei City Slang.

Donnerstag, 22.09. 23:15h Übel & Gefährlich

3. Warhaus

Als Teil der belgischen Indierockband Balthazar hat Sänger und Gitarrist Maarten Devoldere schon an drei sehr bemerkenswerten Platten mitgewirkt und auch schon in Deutschland umjubelte Konzerte gespielt. Unter dem Namen Warhaus lässt er jetzt seiner schon bei Balthazar durchscheinenden Vorliebe für die großen düsteren Songschreiber der sechziger und siebziger Jahre freien Lauf. Große und kleine Geschichten von Liebe, Glaube und Verrat in der musikalischen Tradition von Lee Hazlewood, Leonard Cohen oder Serge Gainsbourg. Düsterer Chanson-Pop in elegant-zeitlosem musikalischen Design. „We Fucked A Flame Into Being“ von Warhaus ist am 2. September bei PIAS erschienen.

Freitag, 23.09. 19:30h Terrace Hill
Samstag, 24.09. 17:00h Molotow Backyard

4. July Talk

Das kanadische Quintett July Talk ist eine der sympathischsten Indierock-Neuentdeckungen der letzten Jahre. Einzigartig ist hier vor allem das Duett der Stimmen von Sängerin Leah Fay und Sänger Peter Dreimanis. Er abgrundtief und kratzig, sie glockenhell und aggressiv. Damit haben sie vom ersten Ton an einen hohen Wiedererkennungswert und das Duo macht vor allem live auch viel her. Die Musik bleibt so klassisch wie Indierock nur sein kann: treibend, gitarrenlastig und immer etwas freundlich-bedrohlich in der Tradition von Garbage oder auch ihren kanadischen Landsleuten von Metric. Das aktuelle, zweite Album „Touch“ ist am 9. September bei Vertigo / Universal erschienen.

Freitag, 23.09. 22:00h Kukuun
Samstag, 24.09. 0:00h Knust

5. Sven Helbig / Johannes Motschmann

Klassisch ausgebildete Komponisten, die ihrer Liebe zu Techno, Ambient und elektronischer Musik freien Lauf lassen, sind seit einigen Jahren ungemein erfolgreich und beliebt. Nils Frahm oder Federico Albanese sind die vielleicht populärsten Beispiele dieses Crossovers. Das Plattenlabel Neue Meister hat sich ganz diesen jungen „Klassikern“ verschrieben und präsentiert im Rahmen einer Labelnacht mit Sven Helbig aus Dresden und Johannes Motschmann aus Berlin zwei der interessantesten Musiker auf diesem Gebiet. Das Johannes Motschmann Trio hat bereits im Mai mit der Platte „Electric Fields“ eine Brücke von Klavierkompositionen in der Tradition von Erik Satie zu kosmischer Musik à la Tangerine Dream oder Jean-Michel Jarre geschlagen. Sven Helbig erforschte zunächst mit seinen „Pocket Symphonies“ die Möglichkeiten große symphonische Musik in kurze Popmusikeinheiten zu bringen. Mit seinem neuen Album „I Eat The Sun And Drink The Rain“ wendet er sich der Zusammenführung von Chormusik, Ambient und elektronischer Musik zu und schafft so wahrhaft „unerhörte“ Klangwelten (09. September Neue Meister). Außerdem gibt es an dem Abend noch eine Uraufführung des Bach-Projekts von Arash Safian und Sebastian Knauer „ÜberBach“ (erscheint ebenfalls am 09. September auf Neue Meister).

Freitag, 23.09. ab 19:30 resonanzraum

6. Wovenhand

Nach dem Ende von 16 Horsepower hat sich Sänger David Eugene Edwards komplett auf sein „Nebenprojekt“ Wovenhand verlegt. Mittlerweile gibt es diese Band schon seit sechzehn Jahren und damit länger als die Vorgängergruppe des Mannes aus Denver, Colorado. Mit dem neunten Studioalbum „Star Treatment“ überrascht Edwards mit rohem und ungestümen Country-Folkrock, der musikalisch einige seiner ruhigeren und elegischeren Platten der letzten Jahre weit hinter sich lässt. Düsterer Rock zwischen New Wave, Americana und Punk, den in dieser Form wohl nur Wovenhand spielen. Das Motto der Tour ist „Give Up Your Dead!“ und live könnte das tatsächlich eine ziemlich wüste und einschneidende Erfahrung werden. „Star Treatment“ ist am 09. September auf Glitterhouse erschienen.

Samstag, 24.09. 20:40h Gruenspan

7. Rival Consoles

Der britische Produzent und DJ Ryan Lee West veröffentlicht unter dem Namen Rival Consoles seit rund 10 Jahren einzigartige und innovative Musik zwischen Ambient, Techno und Elektropop. Mit seinem im letzten Jahr erschienen Album „Howl“ hat er so etwas wie den Höhepunkt seines bisherigen Schaffens vorgelegt. Jetzt ist mit der Mini-LP „Night Melody“ ein etwas verspielterer und leichterer Nachklapp erschienen. Zeitgemäße instrumentale Popmusik, die sich zum aktiven Zuhören genau so eignet, wie zum entspannten Tanzen. Live mit Sicherheit einer der elektronischen Höhepunkte des diesjährigen Reeperbahnfestivals. „Night Melody“ ist am 05.08. auf Erased Tapes erschienen.

Samstag, 24.09. 23:45h resonanzraum

Interview mit Joanna Cassidy

Die Rolle der Replikantin Zhora mit ihrer künstlichen Schlange gehört zu der Reihe unvergesslicher Figuren, die die Welt des Blade Runner in Ridley Scotts gleichnamigen Science-Fiction-Klassiker von 1983 bevölkern. US-Schauspielerin Joanna Cassidy steht damit Harrison Ford, Sean Young, Rutger Hauer und Daryl Hannah, die ebenfalls mit diesem Film zu Ikonen des SF-Kinos wurden, in nichts nach. Der Film gehörte zur Tribute-Reihe des 22. Internationalen Filmfests Oldenburg 2015, die ihr gewidmet war.

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Joanna Cassidy bei einer Autogrammstunde beim Filmfest Oldenburg 2015.

Cassidy begann ihre Karriere beim Fernsehen, wo sie in den siebziger Jahren in Erfolgsserien wie „Kobra, übernehmen Sie“, „Starsky und Hutch“ oder „3 Engel für Charlie“ zu sehen war.

Anfang der achtziger Jahre wechselte sie zum Film und drei ihrer Arbeiten aus dieser Zeit waren beim Festival zu sehen.

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Festivalleiter Torsten Neumann und Joanna Cassidy präsentieren „Under Fire“ im Cine k.

Neben dem schon erwähnten „Blade Runner“ wurde noch Roger Spottiswoodes Politthriller „Unter Feuer“ gezeigt, in dem sie 1983 an der Seite von Gene Hackmann und Nick Nolte zu sehen war. Als dritter Film der Ehrenreihe gab es dann noch die Trickfilm/Realfilm-Komödie „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ von Robert Zemeckis mit Bob Hoskins an ihrer Seite.

(Interview with Joanna Cassidy recorded September 19, 2015 in Oldenburg, Germany)

Neben dem Tribute wurde auch ihr neuster Film im regulären Festivalprogramm gezeigt. Der Thriller „Too Late“ mit John Hawkes in der Hauptrolle wurde von Regisseur Dennis Hauck auf 35mm-Filmmaterial gedreht. Er besteht aus 5 Sequenzen in der Länge einer Filmrolle (um 20 Minuten), die alle in einer durchgehenden Einstellung ohne Schnitt gedreht und nicht-chronologisch montiert worden sind.

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In den neunziger Jahre hat Cassidy in vielen Genrefilmen gespielt. Beispielsweise in Wes Cravens „Vampire in Brooklyn“ mit Eddie Murphy (1995) oder John Carpenters „Ghosts Of Mars“, der 2001 auch hier in Oldenburg beim Festival zu sehen war.

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Joanna Cassidys Stern auf dem Oldenburger „Walk Of Fame“.

In den letzten Jahren hat sie sich aber auch wieder verstärkt dem Fernsehen zugewendet. Für ihre Rolle in der Serie „Six Feet Under“ wurde sie für den Emmy und den Screen Actors Guild Award nominiert. Zuletzt war sie unter anderem in „Bones – Die Knochenjägerin“, „Desperate Housewives“ und „Body Of Proof“ zu sehen.

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Joanna Cassidy am 19. September 2015 im Altera Hotel, Oldenburg.

Playlist soundundvison_30 – 05.09.2016

Jessica Sligter– Surrounds, Surrounds Me
Jessica Sligter – The Dream-dealer
The Album Leaf – Glimmering Lights
The Album Leaf – Lost in the Fog
BirdPen – O‘ Mighty Vision
BirdPen – Dance To The End
Flamengo – Tyden v Elektrickem Meste
The CT Four Plus – Exodus II
Neil Young + Promise of the Real – Vampire Blues
Neil Young + Promise of the Real – Hippie Dream
Bader Motor – I Saw You
Bader Motor – Disappear in Amerika
Appaloosa – Bab & Dany
Appaloosa – Halle 9000
DOMO ARIGATO MR. ROBOTO – Treib Gut
Domo Arigato Mr. Roboto – Spaceman
Rolf Trostel – Test Tanz (via Bureau B)
Rolf Trostel – New Age Of Intelligence
Michael Bundt – Terrania (Electri City)
Michael Bundt – Full Steam Ahead
Mesk – Heyder (gudrun gut Vogelmix) (Heimatlieder aus Deutschland)
Heide – Ein kleines Wildvögelein (Gudrun Gut Vogelmix)
W W W I N G S – Melt (feat. Barla, Graves & Pope)
WWWINGS – Aethereal (feat. Chino Amobi)
Aphex Twin – CHEETAHT2 [Ld spectrum]
Darkstar – Deltaskelta

Playlist soundundvision_29 – 29.08.2016

New Model Army – Strogoula
New Model Army – Eyes Get Used To The Darkness
de Montevert – Summer Heart
De Montevert – Close Encounter
Bat For Lashes – In God’s House
Bat for Lashes – Never Forgive the Angels
Nite Jewel – Was That a Sign
Nite Jewel – Running Out of Time
Nonkeen – algebra
Nonkeen – glow
DJ Shadow – Bergschrund (featuring Nils Frahm)
DJ Shadow – Pitter Patter (featuring G Jones and Bleep Bloop)
Gonjasufi – Vinaigrette
Gonjasufi – The Kill
Factory Floor – Dial Me In
Factory Floor – Meet Me At The End
New Order – Plastic [Extended Mix]
New Order – Fine Time – 7′ Version
Beyond The Wizards Sleeve – Delicious Light
Beyond the Wizards Sleeve – Finally First
Richard Pinhas-Heldon – Les Soucoupes Volantes Vertes
Moon Birds – Cristal N° 3 (Because Music)
Teja Schmitz – Studieren
Michael Rother – Karussell (Grönland Records)
TOBACCO – Warlock Mary
TOBACCO – Fantasy Trash Wave
Ben Lukas Boysen – Nocturne 3
Ben Lukas Boysen – Nocturne 4
Colorlistt – Gone To Ground
Segue – Frozen (Serein)

Playlist soundundvison_28 – 01.08.2016

Band of Horses – Barrel House
Band Of Horses – Hag
Mick Harvey – A Violent Poison That’s What Love Is [Un Poison Violent C’est Ça L’amour]
Mick Harvey – A Day Like Any Other [Un Jour Comme un Autre] feat. Xanthe Waite
Death And Vanilla – The Unseeing Eye
Death And Vanilla – Ghosts in the Machine
Amber Arcades – Right Now
Amber Arcades – Turning Light
Mitski – I Bet On Losing Dogs
Mitski – Your Best American Girl
Deerhoof – Little Hollywood
Deerhoof – Life Is Suffering
Blaney Featuring Mark E. Smith – The Coat
Blaney Featuring Mark E. Smith – Time for You to Go
Jambinai 잠비나이 – Echo of Creation
Jambinai – For Everything That You Lost
Camera – Affenfaust
Camera – Ildefons
John Paul Jones Official & Erland Dahlen – Piece No. 5
Tunng & Tinariwen – People Folk
Snooze-On – In My Dreams At Night
Snooze-On – White Satin Leaves
Holger Czukay – Persian Love
Holger Czukay – Cool in the Pool
Billion One – Monument Valley feat. Sopha
Billion One – Her (rebuild by KiRRiN iSLAND)
M. Craft – Afterglow
M. Craft – Where Go the Dreams
Konx-om-Pax – Cosmic Trigger
Konx-Om-Pax – Mega Glacial

Playlist soundundvison_27 – 04.07.2016

Gemma Ray – The Machine
Gemma Ray – We Are All Wandering
Black Palms Orchestra – Wolf Town
Black Palms Orchestra – Last Summer For Ever
CAT’S EYES – Drag
Cat’s Eyes – Names on the Mountains
Laura Veirs / Neko Case / k.d. lang – Atomic Number
Laura Veirs / Neko Case / k.d. lang – Supermoon
Beth Orton – Wave
Beth Orton – Moon
Pino Donaggio – Theme From „Blow Out“
Red Sleeping Beauty – If You Want Affection
Red Sleeping Beauty – Mi Amor
Let’s Eat Grandma – Deep Six Textbook
Let’s Eat Grandma – Rapunzel
Róisín Murphy – Thoughts Wasted
Roisin Murphy – Mastermind
BADBADNOTGOOD – Time Moves Slow (feat. Samuel T. Herring)
BadBadNotGood – Hyssop of Love (feat. Mick Jenkins)
The Invisible – Different feat. Rosie Lowe
the Invisible – Best Of Me
Mark Pritchard – Give It Your Choir (feat. Bibio)
Mark Pritchard – Beautiful People (feat. Thom Yorke)
Natalie Tba Beridze – Black Spring
Natalie Beridze – Hello
Asher Levitas – Blessed Mother
Asher Levitas – Strongest Bonds
Swans – People Like Us
Swans – The World Looks Red / The World Looks Black
Melanie De Biasio – Blackened Cities

Nachruf: Michael Cimino und Robin Hardy

2016 bleibt sich traurigerweise weiter treu. Mit Michael Cimino und Robin Hardy sind jetzt zwei große und eigenwillige Außenseiterregisseure des amerikanischen bzw. britischen Kinos gestorben. Hardy hat mit „The Wicker Man“ (1973) den vielleicht britischsten aller Horrorfilme der siebziger Jahre vorgelegt. Die Geschichte um heidnische Rituale auf der (erfundenen) schottischen Insel Summerisle mit Christopher Lee und Britt Ekland ist zwar nur einer von vier Filmen, die Hardy überhaupt drehte, aber seine Bilder sind heute fester Bestandteil unserer Popkultur. Das letzte RadioheadvideoBurn The Witch“ ist beispielsweise in weiten Teilen durch seinen Film inspiriert worden.

Michael Cimino begann als Drehbuchschreiber („Dirty Harry II – Calahan“, „Lautlos im Weltall“) bevor er 1974 mit „Die Letzten beißen die Hunde“ seinen ersten Film drehte (mit Clint Eastwood und Jeff Bridges). Es folgten mit „Die durch die Hölle gehen“ und „Heaven’s Gate“ zwei monumentale, aber nicht unumstrittene Meisterwerke, wovon ersteres mit fünf Oscars ausgezeichnet wurde, während das „Tor zum Himmel“ als kommerzieller totalen Megaflop für die Studiopleite von United Artists sorgte und somit beide Filme auch hinter den Kulissen Stoff für Legenden lieferten. „The Deer Hunter“ habe ich zuletzt 2001 zum 50. Berlinalejubiläum auf der riesigen Leinwand des Berlinalepalasts bewundern dürfen. 2005 zeigte das Berlinale Forum dann eine vierstündige, restaurierte Fassung von „Heaven’s Gate“ plus die 90minütige Dokumentation „Final Cut“ des ehemaligen United Artists-Vizepräsidenten Michael Bach. Mit der dazugehörigen Podiumsdiskussion im Kinosaal dauerte diese Marathonveranstaltung über sechs Stunden. Streitbares und außergewöhnliche Erzählkino, das in dieser Form im heutigen Zeitalter der ewig gleichen und in Serie produzierten Blockbuster und Comicverfilmungen leider kaum noch möglich ist. Schaut euch „The Deer Hunter“ und „The Wicker Man“ an und staunt.

Interview mit Robin Proper-Sheppard (Sophia)

As We Make Our Way (Unknown Harbours)“ ist das sechste Studioalbum der Band Sophia, die vor zwanzig Jahren vom amerikanischen Gitarristen und Sänger Robin Proper-Sheppard gegründet worden ist. Sophia ist das Nachfolgeprojekt seiner ersten Band The God Machine, die Mitte der 90er Jahre nach dem Krebstod des Bassisten Jimmy Fernandez auseinandergebrochen war.

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Verlust, Trauer und Abschied sind oft die zentralen Themen der Songs von Proper-Sheppard, der mit Sophia 2004 auch schon beim Oldenburger Kultursommer zu Gast war. Musikalisch wechselt die Band zwischen düsteren Balladen, wütenden Rocksongs und elegischem Indiepop, oft ergänzt durch klassische Instrumente wie Cello und Streicher.

Die letzten sechs Jahre hatte sich der Proper-Sheppard weitgehend zurückgezogen und nur eine handvoll Auftritte absolviert. Die Ankündigung einer neuen Platte und einer neuen Tour kam nur wenige Wochen vor der Veröffentlichung der Platte und war eine echte Überraschung für die Fans.

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Kurz vor dem ausverkauften Konzert im Hamburger „Nochtspeicher“ am 25. April hatte ich die Gelegenheit mich mit Robin Proper-Sheppard über das neue Album zu unterhalten.

(Interview with Robin Proper-Sheppard recorded April 25, 2016 in Hamburg)

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Die im Interview genannten Mogwai und Malcolm Middleton haben mittlerweile ja ihre neuen Platten veröffentlicht. „Atomic“ von Mogwai (auf der Proper-Sheppard bei einem Stück Gitarre spielt) erschien Anfang April und „SummerOf 13“ von Malcolm Middleton (Ex-Arab Strap) Ende Mai.

Dem melancholisch-wütendem Sound bleibt der zeitweise in Brüssel lebende Robin Proper-Sheppard auch auf seinem sechsten Sophia-Album treu. Die von ihm im Alleingang nur mit Unterstützung von Drummer Jeff Townsin produzierten neuen Songs wirken dabei insgesamt etwas kompakter und mehr aus einem Guss als frühere Alben. Im Kern gibt es aber auf „As We Make Our Way (Unknown Harbours)“ erneut die für Sophia typische Mischung aus Orchesterpop, Akustiksongs und düster-schwelgerischem Indierock.

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In Brüssel hat Proper-Sheppard in den letzten Jahren immer wieder mit Nachwuchsmusikern zusammenarbeitet. So produzierte er unter anderem das Debütalbum der belgischen Band Horses „Clear Crystal Air“. Deren Gitarrist und Sänger Bert Vliegen und Keyboarder und Gitarrist Jesse Maes bilden den Kern der aktuellen Livebesetzung von Sophia. Dazu kommen noch der ebenfalls aus Belgien stammende Bassist Sander Verstraete, sowie Schlagzeuger Jeff Townsin, der seit fast zwanzig Jahren das einzige feste Bandmitglied neben Proper-Sheppard ist.

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Die im Interview als „Sophia 2.0“ bezeichnete Besetzung spielte in Hamburg zunächst das neue Album komplett und in chronologischer Reihenfolge, um dann im zweiten Teil ausgesuchte Sophia-Songs aus 20 Jahren Bandgeschichte zu präsentieren (siehe die Setlist weiter unten). Im August spielen Sophia beim belgischen Pukkelpop Festival. Im Herbst sollen dann weitere Konzerte folgen.

Homepage von Sophia

Facebookseite der Band

Setlist – Hamburg, Nochtspeicher, 25.04.2016

Resisting
The Drifter
Don’t Ask
Blame
California
St. Tropez / The Hustle
You Said It’s Alright
Baby Hold On
It’s Easy To Be Lonely
Bad Man
So Slow
If Only
Oh My Love
The Desert Song
Darkness
The River Song
——
Birds
I Left You

 

 

 

 

 

Playlist soundundvision_26 – 06.06.2016

Spain – The Depression
Spain – For You
Marissa Nadler – Katie I Know
Marissa Nadler – Strangers
Minor Victories – A Hundred Ropes
Minor Victories – The Thief
Mayflower Madame – Weightless
Mayflower Madame – Observed In A Dream
FEWS – Drinking Games
Fews – Zlatan
Seratones – Headtrip
Seratones – Choking on Your Spit
Brad Fiedel – The Terminator Theme [Extended Version]
Alex Puddu – Mood Psychedelico
Shit Robot – Ten Miles High
Shit Robot – OB-8 (Winter Mix)
Holy Fuck – Chimes Broken
Holy Fuck – Acidic
Curse Ov Dialect – Return Of Them All
Curse Ov Dialect – Mystery Door
Klaus Johann Grobe – Liebe am Strand
Klaus Johann Grobe – Ein Guter Tag
Peter Baumann – Searching In Vain
Peter Baumann – Ordinary Wonder
Cristian Vogel – Machine (2015 Remaster)
Cristian Vogel – Information Power Revolution (2015 Remaster)
The Still – The Descent
The Still – The Ecstatic
2/5bz – Anadolog
„Delikopek (ASAF ZEKİ Yuksel)“ – Democracy Lessons

Playlist soundundvison_25 – 30.05.2016

Eagulls – Skipping
Eagulls – My Life In Rewind
The Joy Formidable– Blowing Fire
The Joy Formidable – It’s Started
Hugo Race Fatalists – No God In The Sky
Hugo Race Fatalists – 24 Hours To Nowhere
The Limiñanas – Prisunic
The Limiñanas – Zippo
Sophia – The Drifter
Sophia – It’s Easy To Be Lonely
Matuto – Gloomy Sunday
Billie Holiday – Gloomy Sunday
Vivian Goldman – Launderette
Vivien Goldman – Private Armies
Manuel Volpe & Rhabdomantic Orchestra – Atlante
Manuel Volpe & Rhabdomantic Orchestra – Rhabdomancy
Vessels – 4AM (FaltyDL Remix) (Bonus Track)
Vessels – Elliptic (Throwing Snow Remix) (Bonus Track)
Der Dritte Raum– Electric Friends
Der Dritte Raum – Graf Zahl
Tiga – Planet E
Tiga – No Fantasy Required
Arnaud Rebotini & Christian Zanesi – Approche / Accumulation
Arnaud Rebotini & Christian Zanési – Heaven Hill
Stefan Rusconi & Tobias Preisig – Gilliane
Stefan Rusconi & Tobias Preisig – Marie
Erlend Apneseth Trio – Under Isen
Erlend Apneseth Trio – Magma